Mrz 15, 2021 | Persönlich

Wenn Laschet Kanzler werden will, muss er endlich Führungsqualitäten zeigen

Die erste Hürde zur Kanzlerschaft hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet erfolgreich genommen: Am 22 Januar wurde er zum Parteivorsitzenden der CDU gewählt. Doch wenn er erst Kanzlerkandidat und dann Kanzler werden will, muss er sich deutlich steigern.

Es steht nicht gut um die Union bei den gestrigen Wahlen erlitt sie mit nur  24,1 Prozent und 27,7 Prozent (Stand 15.3., 13:59) der Wählerstimmen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz eine herbe Niederlage. Nach so wenigen Wochen im Amt, können die Ergebnisse nicht auf Laschets Konto gebucht werden. Aber was schon jetzt klar ist: Laschet füllt das Amt des CDU-Chefs nicht aus. Nur bei den Lockerungen setzt er sich von der Kanzlerin ab, geht es um das Versagen bei der Impfstoffbeschaffung, steht er loyal zu Angela Merkel und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die haben gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn jedoch Deutschland in die Impfkatastrophe und den Dauerlockdown geführt.

Laschet müsste Druck machen: Dafür, dass mehr Impfstoff kommt, dass die Impfungen schneller vonstatten gehen, dass es mit den Tests klappt, dass die Menschen nur so lange eingesperrt bleiben, wie es unbedingt nötig ist.

Doch all das tut er nicht: Nordrhein-Westfalen gehört zu den Ländern, in denen die Impfungen noch schleppender vorangehen als in den anderen Bundesländern. Da kann man nicht glaubwürdig drängeln. Gesundheitsminister Spahn und Laschet sind ein Team, er kann kaum jemanden offen kritisieren, mit dem er eng kooperiert. Spahn und Gesundheitsminister Laumann sind auch Vertreter der mächtigen westfälischen CDU, mit der sich Laschet nicht anlegen möchte.

Aber in der größten Krise der Nachkriegszeit wird man nicht mit dem Schlafwagen ins Kanzleramt kommen. Laschets Konkurrent Söder ist agiler, hat Ideen, treibt den Bund und die EU an und wechselte die Gesundheitsministerin aus, als die zu Beginn der Impfkampagne bei der Kühlung der Impfstoffe patzte. Söder vermittelt den Eindruck, sich um die Menschen in Bayern zu kümmern. Laschet kümmert sich vor allem um sich selbst, taktiert, von ihm kommen keine Initiativen, keine Ideen, keine Kritik an Bund und EU.

Von jemandem der Kanzler werden will, kann man mehr erwarten: Laschet müsste die Bundesregierung treiben, den Einfluss eines Landes mit 18 Millionen Einwohnern in der EU zur Geltung bringen, Lösungsideen für die Krise bringen, die CDU-Ministerpräsidenten führen, die Ministerien in NRW so aufstellen, dass man eine Vorstellung bekommt, was einen nach der Bundestagswahl erwartet, sollte der Kanzler Laschet heißen. All das tut er nicht und das ist nicht gut für die Menschen in Nordrhein-Westfalen, in Deutschland und für seine Ambitionen, Bundeskanzler zu werden.

 

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