Mrz 1, 2021 | Persönlich

ThyssenKrupp: Martina Merz saniert erfolgreicher als ihre Vorgänger

Martina Merz führt seit November 2019 als Vorstandsvorsitzende den Konzern ThyssenKrupp. In der deutschen Industrie gibt es kaum eine anspruchsvollere Aufgabe.

ThyssenKrupp ist mehr als ein Konzern, es ist ein deutscher Industriemythos. In dem Unternehmen gingen durch Übernahmen und Fusionen so große Namen wie Thyssen, Krupp, Rheinstahl und Hoesch auf. ThyssenKrupp steht für die Industrialisierung Deutschlands. Die Wurzeln reichen weit vor die Gründung eines deutschen Staates zurück. Doch so groß und beeindruckend die Geschichte des Konzerns ist, so problematisch ist seine Gegenwart: Mitte 2019 verbot den Zusammenschluss der Stahlsparte mit der des indischen Konzerns Tata, im September 2019 flog der Konzern aus dem DAX, 2020 wurde die Fahrstuhlsparte verkauft, um liquide zu bleiben. Fehler vergangener Jahre hatten sich gerächt: Mitte der Nuller-Jahre hatte der Konzern mit dem Bau eines Walzwerks im US-Bundesstaat Alabama und eine Stahlwerks in Brasilien Milliarden verloren und danach nie wieder auf die Erfolgspur zurückgefunden. Das ist jetzt die Aufgabe von Martina Merz.

Die Maschinenbauingenieurin ist die „mächtigste Frau in der deutschen Wirtschaft“ (Manager Magazin) und gehört zu den 20 „World´s Most Powerful Women“ (Forbes)- Bezeichnungen und Titel, die gut klingen, aber im harten Alltag als Konzernchefin auch nicht weiter helfen, denn die Aufgaben  vor denen Merz steht sind die gewaltigsten in der langen Geschichte des Konzerns: Sie muss nicht nur die Auswirkungen der Fehler ihrer Vorgänger in den Griff bekommen, sondern ThyssenKrupp, vor allem die Stahltochter, in eine klimaneutrale Zukunft führen. ThyssenKrupp will Stahl künftig mit Wasserstoff herstellen. Theoretisch und im Labor ist das kein Problem, aber im industriellen Maßstab hat das noch niemand gemacht. Am Standort Duisburg wird ThyssenKrupp bald mit dem Aufbau einer entsprechenden Anlage beginnen. Nicht nur, weil die Politik Europa und Deutschland CO2-Neutral machen will. „Das Ziel des Klimakonzepts ist dabei klar: Den Kunden auch zukünftig Stahl in gleicher Qualität und in gleichen Güten zu liefern – klimaneutral“, sagte Merz auf der Jahreshauptversammlung Anfang Februar, „Die Nachfrage in den Abnehmermärkten ist schon heute da und sie wird weiter steigen. Nicht zuletzt, weil auch die Abnehmerindustrien klimaneutral werden wollen, allen voran die Automobilindustrie.“ 10 Milliarden Euro wird die Umstellung kosten, viel Geld und ohne die Hilfe des Staates und der EU wird es nicht gehen. Ob ThyssenKrupp diesen Weg alleine beschreiten wird oder mit Hilfe eines Partners ist unklar. Ein Angebot von Liberty-Steel wurde abgelehnt. Aber klar ist für Merz „Stahl hat Zukunft und unser Stahlbereich auch.“

Aber der Weg in die Zukunft wird nicht einfach sein. Merz bekennt sich zwar zum Stahl, aber saniert: Das Grobblechwerk in Duisburg wird geschlossen, im Bochumer Werk werden Stellen abgebaut. Zu allem kommen noch die Belastungen durch Corona und massive Probleme in der Automobilindustrie, einem der größten Abnehmer von ThyssenKrupp-Stahl. Der Umbau des Konzerns läuft, aber bis sich der Erfolg in den Zahlen zeigen wird, werden nach Ansicht von Merz „noch „zwei bis drei Jahre“ vergehen.

Bei der Sanierung war sie bislang erfolgreicher als ihre Vorgänger, wagte harte Schritte wie den Verkauf der Fahrstuhlsparte, wartet beim Stahl aber auf bessere Angebote und ist auch bereit, diesen Bereich alleine weiter zu führen – und die Konflikt mit den Gewerkschaften allein auszufechten. Denn Stahl wird gebraucht, weltweit ist er gefragt. Ob Bau, Industriebedarf oder Automobilbau – der Bedarf wird das Angebot übersteigen. Stahl hat Zukunft, das weiß Merz, und sie ist bereit, durchzuhalten, bis sich das auch in den Ergebnissen niederschlägt.

Ob sich das Warten lohnt, wird allerdings nicht nur die Arbeit von Merz entscheiden: Die Politik belastet die Industrie mit immer neuen Auflagen, ein immer größerer Teil der Bevölkerung glaubt, sie sei gestrig und eigentlich überflüssig. Auch wenn heute weniger Menschen als vor 50 Jahren in der Industrie arbeiten sorgt sie fast alleine für die Exportgewinne, die Deutschland auf den Weltmärkten erzielt und ist damit für den Wohlstand in diesem Land entscheidend.

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