Jun 17, 2021 | Industrie

Neuzulassungen in der EU im Mai trotz starken Wachstums deutlich unter Vorkrisenniveau

Der EU-Neuwagenmarkt erzielte im Mai 2021 mit einem Plus von 53 Prozent wieder ein sehr starkes Wachstum – im Vergleich zu Mai 2019 ergibt sich allerdings dennoch ein deutliches Minus von 27 Prozent. Im bisherigen Jahresverlauf liegt der Absatz um 24 Prozent niedriger als im Vergleichszeitraum 2019.

„Es ist nicht verwunderlich, dass sich der Automarkt besser entwickelt als im vergangenen Jahr, als europaweit Lockdown-Maßnahmen und geschlossene Autohäuser und Zulassungsstellen das Bild beherrschten. Beunruhigend ist allerdings, dass wir immer noch weit unter dem Niveau von 2019 liegen. Nach wie vor ist die erhoffte echte Erholung auf dem EU-Neuwagenmarkt nicht in Sicht“, sagt Gerhard Schwartz, Leiter Industrial Products bei EY Österreich. „Zwar gewinnt die Konjunktur an Fahrt. Und auch die europaweit stark sinkenden Infektionszahlen geben Anlass zur Hoffnung. Allerdings führt der Mangel an Halbleitern inzwischen zu so erheblichen Produktions- und Absatzeinbußen, dass es immer wahrscheinlicher wird, dass der Neuwagenmarkt im Gesamtjahr 2021 erheblich unter dem Vorkrisenniveau liegen wird. Die Nachholeffekte dürften dann erst im Jahr 2022 sichtbar werden“.

„Derzeit müssen Kundinnen und Kunden teils sehr lange auf bestellte Neuwagen warten“, sagt Schwartz, „und nach wie vor belastet die unklare Entwicklung der Pandemie das Geschäft – die Kauflust bleibt zurückhaltend, obwohl viele Verbraucherinnen und Verbraucher z. B. aufgrund ausgefallener Urlaubsreisen im vergangenen Jahr heute relativ viel Geld auf der hohen Kante haben.“

Elektrifizierte Fahrzeuge spielen eine immer größere Rolle auf dem Neuwagenmarkt

Der Marktanteil von Elektroautos und Plug-in-Hybriden betrug in den fünf größten Märkten Westeuropas (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) im Mai 15,7 Prozent (April: 14,3 Prozent). Zum Vergleich: Im Mai 2020 hatte der Marktanteil elektrifizierter Fahrzeuge bei gerade einmal 6,4 Prozent gelegen. Deutschland weist derzeit mit 23,4 Prozent den höchsten Marktanteil unter den Top-5-Märkten auf, gefolgt von Frankreich (17,3 Prozent). In Spanien waren hingegen im Mai nur 6,6 Prozent der Neuwagen Plug-in-Hybride oder Elektroautos. In Österreich entwickelte sich der Anteil von elektrifizierten Fahrzeugen im Mai mit 18,7 Prozent beinahe auf dem Niveau der deutschen Nachbarn.

„Elektroautos und Plug-in-Hybride verkaufen sich inzwischen in einigen Märkten wie warme Semmeln“, beobachtet Schwartz. „Die Nachfrage ist enorm – sie wird allerdings auch künstlich hochgehalten mit Steuervorteilen oder Kaufprämien“. Zudem sei auf allen größeren Märkten ein beachtliches Wachstum zu beobachten.

Bei reinen Elektroautos betrug der Marktanteil im Mai in Österreich 12 Prozent, in den Top-5-Märkten lag er bei 7,6 Prozent. Plug-in-Hybride sind in Österreich nach wie vor deutlich weniger beliebt als reine Elektroautos: Ihr Marktanteil lag im Mai in Österreich bei 6,7 Prozent und damit unter dem Durchschnitt der Top-5-Märkte von 8,1 Prozent.

Plug-in-Hybride zeigen derzeit ein besonders starkes Wachstum

Die Zahl der Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden stieg im bisherigen Jahresverlauf gegenüber dem Vorjahreszeitraum in den Top-5-Märkten um 394 Prozent, während reine Elektroautos „nur“ um 309 Prozent zulegten. In Österreich stiegen die Neuzulassungen im gleichen Zeitraum bei E-Autos um 269 Prozent, bei Hybridfahrzeugen um 203 Prozent.

Nachdem im Vorjahr noch mehr Elektroautos als Plug-in-Hybride neu zugelassen worden waren, liegen inzwischen Plug-in-Hybride vorn: Im Mai wurden in den Top-5-Märkten mehr als 62.000 Plug-in-Hybride und etwa 58.400 Elektroautos neu zugelassen. „In Österreich ist das traditionell etwas anders, hier werden aufgrund der geringeren Förderungen für Hybride im privaten Bereich bzw. dem vollen Sachbezug bei Dienstfahrzeugen nach wie vor mehr Elektro- als Hybridautos zugelassen“, so Schwartz. Gesamt wurden in Österreich im Mai 1.500 neue Plug-In-Hybride und fast doppelt so viele (2.700) reine Elektroautos zugelassen.

Der Zuwachs bei elektrifizierten Neuwagen geht auf Kosten des Marktanteils reiner Verbrenner (Benzin und Diesel). Dieser schrumpfte in den Top-5-Märkten von 81,2 auf 64,3 Prozent, in Österreich sogar von 84,5 auf 63,2 Prozent.

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