Dez 29, 2021 | Politik

„Adé, Klimaschutz!“: Nuklearia nimmt Abschied von drei Kernkraftwerken

Drei der sechs noch verbliebenen deutschen Kernkraftwerke gehen am Jahresende endgültig vom Netz. Deutschland verliert damit mitten in Energie- und Klimakrise 4.200 Megawatt CO₂-freier Stromerzeugung. Die Nuklearia begeht diesen traurigen Anlass durch (coronagerechte) Abschiedstreffen im kleinen Kreis an den Kraftwerken. Interessierte können sich gern anschließen. Eigene Plakate sind erwünscht.

Das erste Treffen findet am Donnerstag, 30. Dezember 2021, am Kernkraftwerk Brokdorf in Schlesweig-Holstein statt. Die Aktivisten kommen von 12 Uhr bis 13 Uhr vor dem Werkstor zusammen und zeigen Fahnen und Plakate. Auch Eisbär »Melti« wird dabei sein. Er weist auf den Klimawandel hin und auf die Rolle, die die Kernenergie bei seiner Bekämpfung spielen könnte, wenn man sie ließe. Organisator Christoph Barthe aus Hamburg: »Wir werden einige kurze Ansprachen halten und gemeinsam ›Thank you for the power‹ singen, nach dem ABBA-Hit ›Thank you for the music‹. Und unser Banner ›Kernkraft kommt wieder‹ zeigt: Mit dem Atomausstieg ist über die Kernenergie in Deutschland noch lange nicht das letzte Wort gesprochen.« Nach der Versammlung gibt es einen Fototermin auf dem Deich und ein gemeinsames Mittagessen in Glückstadt. Erwartet werden rund 10 Teilnehmer.

In Süddeutschland werden an Silvester etwa 5 bis 10 Nuklearia-Aktivisten um 11 Uhr am Kernkraftwerk Gundremmingen zusammenkommen. Treffpunkt ist der Radweg gegenüber dem Haupteingang des Kraftwerks. Die Nuklearia wird dort ihren Pavillon aufstellen und im Wortsinn Flagge zeigen. Auch Eisbär »Melti« wird dabei sein. »Wir werden um den Verlust von 1400 Megawatt klimafreundlicher Stromerzeugung trauern und ein gepflegtes Gräbelesbier trinken«, erläutert Organisator Daniel Spannbauer. Das Gräbelesbier ist eigentlich eine Karfreitagstradition in manchen Teilen Bayerns. Es erinnert an die Kreuzigung Jesu durch seine Feinde, und es weist zugleich auf seine Auferstehung drei Tage später hin. Die Aktion endet gegen 13 Uhr. Atomkraftgegner werden sich um 15 Uhr treffen, um ihren vorläufigen Triumph zu feiern.

Ebenfalls an Silvester wird am Kernkraftwerk Grohnde eine Mahnwache stattfinden.

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Gerlinde Hutter (59) aus Gundremmingen schildert ihre Erfahrungen mit dem Kernkraftwerk

»Die Stilllegung der Kernkraftwerke ist ein schwerer Fehler«, kommentiert Nuklearia-Vorsitzender Rainer Klute. »Die Anlagen laufen ja nicht zum Spaß; ihr Strom wird gebraucht.« Dieser Strom, den heute noch die Kernkraftwerke liefern, wird künftig aus anderen Quellen kommen müssen. Erneuerbare Energien werden daran allerdings nur einen geringen Anteil haben. Rainer Klute: »Wir brauchen ja eine 24×7-Versorgung. Sonne und Wind können das nicht leisten. Und ohne die Kernenergie bleiben uns nur Kohle und Gas. Doch die sind nicht nur klimaschädlich, sondern auch teuer. Mit dem Atomausstieg verfehlen wir also nicht nur die Klimaziele, sondern überfordern auch Menschen und Wirtschaft.«

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